Dokumentationsstätte
Konzentrationslager Hersbruck e.V.

Teresio Olivelli - Biografie

Teresio Olivelli wurde am 7.01.1916 in Bellaggio, Italien geboren.

Nach seinem Studium der Rechtswissenschaft arbeitete er an der Universität Turin und wurde 1940 Mitglied des Studienzentrums des nationalen Instituts für faschistische Kultur.

Im März 1942 meldete der sich freiwillig an die Ostfront und kämpfte im Artillerieregiment der Alpini in der Ukraine. Dort hatte er erste Kontakte zur italienischen Widerstandsbewegung. Zurück in Italien schloss er sich dem Widerstand an und ging in den Untergrund. Am 27. April 1944 wurde er in Mailand verhaftet. Er kam über die Lager Fossoli und Gries/Bozen am 05.09.1944 nach Flossenbürg. Er bekam die Häftlingsnummer 21680. Einen Monat später wurde er nach Hersbruck deportiert.

Dort wurde er bald Barackenältester. Als gläubiger Katholik stand er den anderen Häftlingen mit Zuspruch und praktischer Hilfe zur Seite. Sein Einsatz für seine Kameraden wurde den KZ-Schergen jedoch bald bekannt, so dass er dafür mehrfach geprügelt wurde. Besonders am Weihnachtsfest bemühte er sich um die Insassen der Krankenstation, so dass er ihnen "wie ein Engel des Himmels" erschien. Zwei Wochen später ließen ihn ein Fußtritt in den Magen und eine erneute Verprügelung zusammenbrechen.

Er starb am 17. (12.?) Januar 1945 im Krankenrevier mit einem Gebet auf den Lippen.

In der katholischen Kirche läuft ein Verfahren zu seiner Seligsprechung.

In der Kirche Unsere lieben Frau in Hersbruck ist zu seiner Erinnerung eine Plakette angebracht.

Quelle: P. Schön, Häftlingsbuch, m.s. Dokumentationsstätte KZ-Hersbruck, 2010ff

Bilder: http://www.teresioolivelli.com/biografia/ (13.02.2018)

Seligsprechung von Teresio Olivelli am 03.02.2018 in Vigevano

Teresio Olivelli. Der Italiener, der im KZ Hersbruck an den Folgen von Tritten in den Unterleib ums Leben gekommen ist, wurde nun von der katholischen Kirche selig gesprochen (HZ berichtete). 22 Gläubige aus der Hersbrucker Pfarrei waren dazu extra nach Italien gereist.

Der Bischof von Vigevano hatte die Gruppe um Pfarrer Wunnibald Forster und seinen Vorgänger, Geistlicher Rat Helmut Spindler, eingeladen. Die Stadt Hersbruck war durch Bürgermeister Robert Ilg, zweiten Bürgermeister Peter Uschalt und Stadtrat Stefan Krimm vertreten. Auch der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick zelebrierte den feierlichen Gottesdienst im Sportpalast von Vigevano mit.

Der Dom von Vigevano hätte die rund 3000 Gläubigen nicht aufnehmen können. Der, trotz Sporthallenatmosphäre, festliche Gottesdienst wurde von einem großen Chor musikalisch umrahmt. Mit Beifall wurde die Delegation aus Hersbruck begrüßt. Sie traf auf Mitglieder der Familie des vor vier Jahren seliggesprochenen Mithäftlings von Olivelli, Odoardo Foccherini, die sich sehr berührt zeigten, dass wieder Hersbrucker an dieser Feier teilnahmen.

Nach dem festlichen Einzug kam es zu einem berührenden Moment, als ein Mithäftling von Olivelli in Flossenbürg, der 93-jährige Venancio Gibillini, gestützt von Mitgliedern der Familie Olivelli, das Altarpodest erklomm. Die Familienangehörigen brachten einen Reliquienschrein mit der ersten Haarlocke Olivellis aus Kindertagen zum Altarraum.

Kardinal Amato verlas die apostolische Urkunde, unterzeichnet von Papst Franziskus, die die Seligsprechung bestätigte. Anschließend wurde ein Bild des "Rebellen der Liebe" enthüllt.

Der lange anhaltende Applaus der 3000 Mitfeiernden schloss dieses Herzstück der Feier ab. Teresio Olivelli gilt jetzt als weiteres Beispiel eines aufrechten Menschen, der als Märtyrer im Einsatz für seine Mitmenschen aus einer christlichen Motivation heraus ums Leben kam. Der Seligsprechung Olivellis wird künftig am 16. Januar, seinem Geburtstag, gedacht.

Text: Helmut Renner, 09.02.2018, HERSBRUCKER ZEITUNG

Mitschnitt der Seligsprechung von Teresio Olivelli
am 03.02.2018 in Vigevano auf youtube