Dokumentationsstätte
Konzentrationslager Hersbruck e.V.

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Geschenk mit Verpflichtung - (28.06.2016)

Vittore Bocchetta setzt Schlussstrich unter Missverständnis Bericht von der Jahreshauptversammlung 14.04.2016

(Wr) Am Ende einer erfolgreichen Jahreshauptversammlung der Dokumentationsstätte KZ Hersbruck im Gasthaus Café Bauer ergriff Peter Schön, der ehemalige Vorsitzende, das Wort. Er verlas einen kurzen italienischen Text von Vittore Bocchetta. Er ist der Schöpfer der Skulptur „Ohne Namen“ am Rosengarten in der Nähe des ehemaligen KZ-Geländes. „Ohne Namen“ ist seit seiner Enthüllung im Jahr 2007 über die Grenzen Hersbrucks deutschlandweit zum Symbol für das Gedenken der Opfer des KZ und des Faschismus geworden.

„Non pagato ma donato“ war der Kern der Botschaft an die versammelten Vereinsmitglieder und alle Hersbrucker Bürgerinnen und Bürger, die Bocchetta inzwischen als seine Freunde betrachtet. Mit diesen Worten macht der Künstler erneut und diesmal endgültig den Hersbruckern die Skulptur zum Geschenk. Verbunden mit einer Verpflichtung: Vergesst, verdrängt nicht die Erinnerung an die Gräueltaten, die in eurer Nachbarschaft im KZ geschehen sind. Lasst nicht zu, dass die Persönlichkeit irgendwo je wieder so verachtet und zerstört wird, wie wir es als Häftlinge im KZ erleiden mussten. Damit zieht Bocchetta selbst einen Schlussstrich und schenkt sein Werk ausdrücklich den Bürgern. Eine Geste der großzügigen Freundschaft, eine Investition in die Zukunft unserer Stadt und Gesellschaft.
 
Überwunden ist also eine unerfreuliche Erinnerung Vittore Bocchettas (die HZ berichtete), seinerzeit ein folgenreiches Missverständnis. Die Stadt Hersbruck hat zwar alle Kosten für Material und die Errichtung übernommen. Im Übrigen wurde die Skulptur als Geschenk an die Stadt bezeichnet. Von Kosten für die Ausarbeitung des Entwurfs, unter anderem auch Lohnkosten für handwerkliche Helfer, hat die Stadt Hersbruck nichts erfahren, und ein Honorar für den Künstler war nicht erwogen worden. In Anerkennung der Leistung für Hersbruck wurde Bocchetta vor einiger Zeit mit einem Beitrag zu seinem Lebensunterhalt unterstützt, weil deutlich geworden war, dass er Erlöse aus seinem Kunstschaffen für sein tägliches Leben braucht.

In seinem Bericht hat der alte und neue Vorsitzende Thomas Wrensch angekündigt, dass der Verein ein weiteres Kunstwerk von Bocchetta erwerben wird. Es soll der pädagogischen Arbeit zugute kommen. Wer also die Arbeit des Vereins und Vittore Bocchetta als Freund und Gönner Hersbrucks unterstützen will, kann dies mit einem Beitrag zum Kauf tun. Die Konten sind  bei der Sparkasse Nürnberg IBAN: DE14760501010578301269, BIC: SSKNDE77XXX und bei der Raiffeisenbank Hersbruck IBAN: DE33760614820105036844, BIC: GENODEF1HSB.

Wrensch berichtete von der Eröffnung der beiden Dokumentationsorte, errichtet von der Stiftung Bayerische Gedenkstätten im Auftrag des Freistaats Bayern und durch die Gedenkstätte Flossenbürg. Die Übertragung der Gedenkfeier des Bayerischen Landtags aus Hersbruck live im Bayerischen Fernsehen machte es über Bayern hinaus deutlich: die Zeit des Verdrängens hat nun ein Ende. Die schwärzeste Epoche wird von jetzt an als Teil der Geschichte Hersbrucks verstanden und erinnert. Die Stiftung unter ihrem Direktor Karl Freller hat Kraft und Durchsetzungsvermögen gebraucht. Sie hängte sich nicht an nicht mehr vorhandene bauliche Reste, sondern ersetzte sie durch ein auffälliges Doppelbauwerk, den schwarzen Kubus in Hersbruck und die Informationsplattform in Happurg. Von Anfang an lenkt es die Aufmerksamkeit und das Interesse der Besucher, vor allem der jungen Generation, auf die Opfer des KZ in unserer Nachbarschaft und macht Informationen abrufbar. Außerdem baut die Gedenkstätte Flossenbürg ein pädagogisches Begleitprogramm auf. Damit übernimmt der Staat nun Verantwortung für das Erinnern des KZ Außenlagers von Flossenbürg und die geschichtliche Aufarbeitung. Große Teile der Vereinsziele laut Satzung sind damit erreicht, manchmal anders als erwartet. Wrensch dankte besonders seinen Vorgängern im Vorsitz des Vereins, Konrad Tschentke und Peter Schön, für deren unermüdlichen Einsatz und allen weiteren aktiven und passiven Mitgliedern. Aktuell wurde Günter Hubenzehnder gedankt, der zuletzt Woche für Woche die Freitagsöffnungszeit der Geschäftsstelle betreute.

In der Aussprache wurde deutlich, dass die Übernahme von Vereinsaufgaben durch staatliche Stellen eine deutliche Entlastung der Aktiven von oft nervenaufreibenden Tätigkeiten bedeuten könne und eine neue Ausrichtung auf freiwillige Aufgaben neben und mit den Aktivitäten der Gedenkstätte Flossenbürg möglich mache. Mitglieder regten die Aufnahme der Dokuorte in das Kartenmaterial in und um Hersbruck an, sowie entsprechende Präsenz im Internet. Bürgermeister Ilg dankte aus Sicht der Stadt Hersbruck, die zusammen mit Happurg und Pommelsbrunn Mitglied ist, für die kontinuierliche Arbeit des Vereins zur Errichtung einer Dokumentationsstätte. Dieses Ziel sei nun erreicht, andere Aufgaben bleiben, unter anderem die Ausrichtung der jährlichen Gedenkveranstaltung am 27. Januar gemeinsam mit den Kirchen am Ort. Wir müssen noch klären, wie zwei so unterschiedlich strukturierte Organisationen wie die Gedenkstätte Flossenbürg und der Verein nicht nur nebeneinander, sondern miteinander die Dokumentation, die Erinnerung und das Gedenken an die Opfer und das KZ Hersbruck gestalten können, schloss Wrensch.  

Bild vom neuen Vorstand. Luise Treuheit war entschuldigt.

Bild vom neuen Vorstand. Luise Treuheit war entschuldigt.

Die Revisoren bestätigten eine solide Kassenführung. Für die Unterhaltung der Geschäftsstelle sind jährlich etwa 2000 Euro nötig, die durch Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen, den Zuschüssen von Stadt, Landkreis und der Unterstützung durch die HEWA gesichert sind. Alle Einnahmen aus Führungen, Buchverkäufen und Spenden kommen unmittelbar den Projekten zugute. Nach Entlastung des Vorstands wurden die selben Personen wiedergewählt, Thomas Wrensch als erster Vorsitzender, als zweiter Vorsitzender Klaus Wiedemann und als Kassier Paul Kornmayer. Neben dem langjährigen Mitglied in verschieden Vorstandsaufgaben Günther Seiz wurden zum ersten Mal zwei Frauen als Beisitzerinnen gewählt, Luise Treuheit und Marie Feist. Kassenprüfer wurden Günter Hubenzehnder und Wilhelm Altmann. Eine Fülle von Anfragen auf Begleitung bei Rundgängen über das ehemalige KZ-Gelände oder an die Eingänge der Doggerstollen und auf Erklärung der Situation nach Errichtung der Dokumentationsorte zeigen, dass der Verein seine Aktivität noch nicht beenden kann.

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Nach 71 Jahren werden Namen genannt - (28.01.2016)

Dokumentationsort Hersbruck Happurg eröffnet

Einweihung des neuen Dokumentationsorts in HersbruckAm Montag den 25. Januar wurde in Anwesenheit von Kultusminister Dr. L. Spaenle und Stiftungsdirektor K. Freller, sowie weiteren Ehrengästen, der kürzlich errichtete Dokumentationsort Hersbruck Happurg eröffnet. Jörg Skriebeleit gab jeweils eine kurze Einführung und Erläuterung zu den Installationen, dem Kubus "Black-Box" in Hersbruck an der Süd-West-Ecke des Lagergeländes und der Aussichtsplattform mit Informationselementen am Südring in Happurg.

Höhepunkt der Eröffnung war die Gedenkfeier des Bayerischen Landtags zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus in der neuen Mehrzweckhalle des Kinderkompetenzzentrums in Hersbruck, die live vom Bayerischen Fernsehen übertragen wurde. Neben den Darbietungen von Schülerinnen und Schülern der Hersbrucker Schulen war ein Höhepunkt die Rede des 97-jährigen Künstlers Vittore Bocchetta aus Verona, Italien, der 1944/45 die Haft im Konzentrationslager Hersbruck überlebt hatte. Wir dokumentieren seine Rede demnächst in italienisch und deutsch.

Vittore Bocchetta besuchte auch die Johannes-Scharrer-Realschule und stellte sich den Fragen der Schülerschaft, besonders der 10. Klassen. Er wurde von Mitgliedern des Vereins Dokumentationsstätte KZ Hersbruck begleitet.

Die Gedenkstätte Flossenbürg bietet ab 31. Januar 2016 jeden ersten und dritten Sonntag im Monat eine öffentliche, kostenlose Führung für interessierte Einzelbesucher an, Treffpunkt ist der Kubus. Es wird auch Bildungsangebote für Schulklassen und Gruppen geben, die staatlich gefördert werden. Informationen dazu unter www.gedenkstaette-flossenbuerg.de.

(28.01. Wr.)

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Johannes-Scharrer-Realschule kauft Ölgemälde - (28.09.2015)

Consumati von Vittore Bocchetta enthüllt

Neben der Skulptur "Ohne Namen" gibt es jetzt ein zweites Kunstwerk von Vittore Bocchetta in Hersbruck, das Ölgemälde "Consumati" von 2007.

Consumati - Bild von Vittore BocchettaDer Künstler Vittore Bocchetta ist heute 96 jahre alt und wohnt in Verona, Italien. Er war 26 Jahre jung, als er als Häftling im KZ Hersbruck den Weg nach Happurg zur Zwangsarbeit getrieben wurde. Heute steht an diesem Weg das Schulzentrum mit der Johannes-Scharrer-Realschule.
Mit Hilfe des Landkreises und des Landrats konnte die Schule ein Ölgemälde von Bocchetta erwerben.

"Consumati" (Verbrauchte, Verbraucher) nennt der Künstler sein Werk, das farbige Gestalten auf hellem Untergrund vor einem grauen Himmel zeigt. Auf den ersten Blick wirkt es licht, aber die Gestalten strahlen keine Freude aus. Man kann dabei an Leute denken, die erschöpft vom Konsum ihrem Wunschziel nahe sind, es aber nicht erreichen, man denkt aber auch an Menschen, die abgearbeitet und abgeschrieben sind, ohne ans Ende zu kommen. Man kann ebenfalls den Zug der Häftlinge ins Nichts darin sehen, an letzter Stelle den Künstler selbst.


Es wurde jetzt in der Aula an unübersehbarer Stelle enthüllt, wo es zu Schulzeiten auch öffentlich zugänglich ist (bei einem Besuch bitte kurz im Sekretariat melden). Okt.2015 Wr.

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aktuelle Ausgabe - (12.02.2015)

Info-Brief 3/2014

Liebe Mitglieder,
hier könnt Ihr unseren Info-Brief 2014/3 herunterladen.

Thomas Wrensch

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Infotafeln auf dem ehemaligen Gelände des Lagers in Hersbruck - (10.02.2015)

Ausstellungstafeln online!

Im Jahr 2009 stellte die Gedenkstätte Flossenbürg fünf Infotafeln auf dem ehemaligen Gelände des Lagers in Hersbruck zwischen Finanzamt, Therme und Strudelbad auf und zwei beim Stolleneingang F oberhalb von Happurg. Nachdem inzwischen keine baulichen Überreste auf dem Lagergelände mehr von der Geschichte erzählen, soll dadurch die Geschichte bis zur Errichtung eines Dokumentationsortes in wichtigen Stationen lesbar werden. Die Infotafeln eignen sich gut, um sich im Selbststudium evtl. in Verbindung mit dem Audioguide des Paul-Pfinzing-Gymnasiums mit wichtigen Stationen der Lagergeschichte vertraut zu machen. Schülergruppen können sich ebenfalls dort Informationen holen. Die Inhalte der Ausstellungstafeln sind auch online auf der Homepage der Gedenkstätte Flossenbürg: Austellungstafeln

Thomas Wrensch

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Vittore Bocchetta zu Besuch in Hersbruck - (04.02.2015)

Eindrucksvolle Gedenkfeier

Vittore Bocchetta in Hersbruck

Am 17. Januar 1945 starb Teresio Olivelli an den Folgen von Fußtritten und Prügeln im KZ Hersbruck. Das war vor genau 70 Jahren. Teresio Olivelli stand auch im Mittelpunkt des ökumenischen Gedenkgottesdienstes in der Spitalkirche am 27. Januar. Jugendliche aus der Richard-Glimpel-Schule trugen seinen Lebensauf vor und erzählten davon, wie Menschen heute für andere zu Engeln werden können. Denn wie ein Engel im Himmel war Olivelli für Mithäftlinge unter den unmenschlichen Zuständen im Lager geworden, davon berichtete Vittore Bocchetta. "Ich kann nur sagen, dass ich von ihm gerettet wurde", so beendete Bocchetta seine Rede in der Kirche. Die Kollekte des Gottesdienstes wurde für die Arbeit des Ökumenischen Vereins eingesammelt, dessen ehrenamtlich Mitarbeitende zur Zeit durch die Unterbringung vieler Asylbewerber im Landkreis Nürnberger Land besonders viele Aufgaben wahrnehmen.

Der Künstler und Überlebende des KZ Hersbruck Vittore Bocchetta war von Sonntag bis Donnerstag unterwegs, vor allem in Schulen, und berichtete interessierten Schülerinnen und Schülern von seinem Widerstand gegen den Faschismus und seiner Zeit in Flossenbürg und Hersbruck. Auf großes Interesse stieß besonders seine Geschichte des Überlebens und seine Flucht vom Todesmarsch nach Dachau in Schmidmühlen. Seine Rede an der von ihm geschaffenen Skulptur "OHNE NAMEN" im Rosengarten nach dem Schweigeweg an der Lichterkette entlang endete mit der Frage nach der Zukunft:

Aber die Fragen, die sich aus der nahen Ver­gangenheit ergeben, sind noch nicht beant­wortet, und sie lasten auf uns mit beständigem Druck:... Die Deformation des Menschen, die sich so ostentativ in diesem meinen Monument „Ohne Namen“ zeigt, was soll sie ausdrücken? Ist es nur die Erinnerung an ein Übel, das ver­gangen ist?

Oder ist es nicht vielmehr eine ernste Warnung für die Zukunft, vor dem, was der Mensch in Zukunft zu machen in der Lage ist? (T.W.)

Hier können Sie die Rede Vittore Bocchettas auf deutsch und italienisch ansehen:
Reden Bocchetta it-dt 2015_01

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