Dokumentationsstätte
Konzentrationslager Hersbruck e.V.

Aktuelles

  ältere Meldungen

"Mensch werden" - Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2018 - (03.02.2018)

Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus in der Spitalkirche Hersbruck mit Schweigemarsch zum Rosengarten

"Mensch werden" - das Thema der diesjährigen Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus hat sein Echo in allen Beiträgen gefunden, die von einem vielköpfigen Team verschiedener Denominationen und Berufsgruppen vorbereitet worden waren, und bildete den roten Faden in einer außerordentlich ansprechend gestalteten Gedenkfeier, die auch den Bezug zum Hier und Jetzt nicht vermissen ließ.

Die fehlende Nase der Heiligen Elisabeth in der Nische über dem Eingang zur Spitalkirche möchten in Hersbruck lebende Flüchtlinge reparieren lassen (wir berichteten), um ihr wieder ein heiles und unversehrtes Gesicht zu geben. Diese Geschichte bildete einen kleinen Teil von Pfarrer Thomas Lichtenebers Predigt in der gut besetzten Spitalkirche und steht laut Lichteneber doch beispielhaft für die Sehnsucht allerMenschen, sich im Antlitz eines Gegenübers zu spiegeln und dadurch Mensch zu werden.

Keine Geschichtsstunde

Auch Gott suche immer wieder die Beziehung zum Menschen, indem er ihn bei seinem eigenen Namenriefe, wie es im Predigttext bei Jesaja hieß. Das Opfergedenken sei keine Geschichtsstunde, sondern ein Einüben in Achtsamkeit - auch im Wahrnehmen des Mitmenschen.

Im Gottesdienst zeigte Thomas Wrensch vom Dokuverein eine Lithographie des Künstlers Georg Hans Trapp, der auch im KZ Hersbruck inhaftiert war.

Im Gottesdienst zeigte Thomas Wrensch vom Dokuverein eine Lithographie des Künstlers Georg Hans Trapp, der auch im KZ Hersbruck inhaftiert war.

Namen spielten in der berührenden Gedenkfeier immer wieder eine Rolle. Wie Initiator Thomas Wrensch vom Verein Dokumentationsstätte KZ Hersbruck betonte, ist ein Name oft das einzige, kleine Teilchen eines Menschen, das von den in Hersbruck gepeinigten und verstorbenen Opfern des Nationalsozialismus geblieben sei - Menschen "wie du und ich".

Bedrückende Aufzählung

Beispielhaft trugen Jochen Tetzlaff und zwei junge Frauen der evangelischen Jugend beim Einzug in die Kirche einzelne Namen und ihre Nationalitäten vor, eine schlichte, bedrückende und eindringliche Aufzählung. Um diesen Namen etwas mehr "Gesicht" zu geben, erinnerten Wrensch und Luise Treuheit an die Lebensläufe von Georg Hans Trapp und Jura Soyfer. Trapp überlebte die Zeit im KZ und verarbeitete die knochenbrecherische Arbeit im Steinbruch und andere traumatische Ereignisse in Kunstwerken - eine Lithografie hatte Wrensch in die Kirche mitgebracht.

Der Österreicher Jura Soyfer, politischer Kabarettist, starb mit 26 Jahren im KZ Buchenwald an Typhus. Seine zum Teil im Konzentrationslager entstandenen Werke überlebten und der Vortrag des "Dachau-Liedes" durch den jungen Tenor Maximilian Vogt beschwor das unbarmherzige Dasein im KZ herauf. Soyfers "Lieddeseinfachen Menschen" trug Vogt anschließend als Gedicht vor: ". wir sind das schlecht entworf´ne Skizzenbild des Menschen, den es erst zu zeichnen gilt...". Die Zeilen zeigen Soyfers Zweifel an der Menschlichkeit unter dem NS-Regime schlechthin auf.

Ruhige Vivaldi-Sonaten mit Ruth Barkowski an der Orgel und Anne Barkowski am Cello schufen Pausen zum Nachdenken in einem intensiven Programm. Zu den Fürbitten traten Landrat Armin Kroder, Bürgermeister Robert Ilg, Polizeichef Johann Meixner und Marianne Ermann ans Mikrofon. Sie schlugen den Bogen zu den Anliegen und Nöten der Jetztzeit. Zuvor hatte Wrensch Zweifel an der Abschiebung eines jungen Mannes geäußert, der hier im Landkreis seine kranken Eltern pflegt (wir berichteten) und lautstarke Zustimmung aus dem Kirchenschiff bekommen.

An der Skulptur von Vittore Bocchetta im Rosengarten, die an seine Zeit im KZ Hersbruck erinnert, endete die Feier zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus.

An der Skulptur von Vittore Bocchetta im Rosengarten, die an seine Zeit im KZ Hersbruck erinnert, endete die Feier zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus.

Glocken läuteten

Im Anschluss an die kirchliche Gedenkstunde pilgerten zum Läuten der Glocken rund 80 Menschen schweigend und mit Kerzen in den Händen von der Spitalkirchen zur Skulptur von Vittore Bocchetta im Rosengarten.Polizeibeamte sperrten den Kreisverkehr und die Amberger Straße ab und erläuterten geduldig Passanten und Autofahrern den Anlass der Prozession. Zum Abschluss des Schweigemarsches begrüßte Thomas Wrensch im Rosengarten noch einen Ehrengast: Apostopolos Malamoussis, griechisch- orthodoxer Erzpriester aus München, war extra angereist, um die Initiative von evangelischen, katholischen und methodistischen Christen, freikirchlicher Gemeinde und Neuapostolischer Kirche noch um eine Facette zu bereichern.

Text und Fotos: us von der "Hersbrucker Zeitung"

Seitenanfang

Enthüllung der Skulptur "Incubus" von Vittore Bocchetta - (16.11.2017)

Dauerleihgabe vom Verein für Paul-Pfinzing-Gymnasium Hersbruck

Kunstlehrer Ulf Geer, Schüler Valentin Bräutigam und Thomas Wrensch vom Doku-Verein enthüllen die Skultpur Incubo.

Kunstlehrer Ulf Geer, Schüler Valentin Bräutigam und Thomas Wrensch vom Doku-Verein enthüllen die Skultpur "Incubo". -- Foto: K. Bub

Das Paul-Pfinzing-Gymnasium ist um ein Kunstwerk reicher: Seit Mittwoch ziert die Aula eine Skulptur von Vittore Bocchetta. Der Zeitpunkt der Enthüllung war nicht zufällig gewählt. Denn am Mittwoch  feierte der Italiener, der zu den Überlebenden des KZ Hersbruck gehört, seinen 99. Geburtstag.

Wenn der Künstler auch persönlich nicht anwesend sein konnte — er sei nicht reisefähig, so Thomas Wrensch vom Verein „Dokumentationsstätte KZ Hersbruck“ —, so schickten die jeweiligen Redner doch jede Menge Glückwünsche vom Hersbrucker Gymnasium aus Richtung Italien. Dort lebt Vittore Bocchetta in Verona.

In seinem Buch „Jene fünf verdammten Jahre“ erinnert er sich an seine wohl schrecklichste Zeit. In Italien hatte sich Bocchetta während des Zweiten Weltkriegs dem Widerstand gegen die deutsche Wehrmacht angeschlossen. Er wurde verhaftet, landete im Konzentrationslager erst in Flossenbürg, dann in Hersbruck. Obwohl er hier Schlimmstes erleben und ertragen musste, nennt Bocchetta Hersbruck heute eine „Stadt, in der er Freunde hat“, wie Wrensch erläuterte.

Der Austausch zwischen dem Italiener und dem Doku-Verein sei eng. Und so habe der Verein mit Unterstützung von Landkreis, Stadt Hersbruck, Hewa und privaten Spendern eine Skulptur von ihm erworben: „Incubo“ (Albtraum). Die steht nun als Dauerleihgabe in der Aula des Gymnasiums, für jedermann zu den Schulzeiten öffentlich zugängig.

Eigene Zeichnungen

Schüler von PPG-Kunstlehrer Ulf Geer hatten sich bereits im Vorfeld mit der Skulptur künstlerisch auseinandergesetzt und zum Beispiel eigene Zeichnungen dazu entworfen, wie der Zwölftklässler Valentin Bräutigam dem Publikum erklärte. Die Vitrine für „Incubo“ fertigte Geer, der dafür auch die Geräte des FabLab Nürnberger Land nutzen konnte, aus ausrangierten Physikschränken an. Zudem baute er einen Zahnrad-Mechanismus ein, mit dem jeder Betrachter die Skulptur selbst drehen und so von allen Seiten aus betrachten kann. „Drehen, sehen, verstehen“ steht auf dem Rad geschrieben.

Ein interaktiver Ansatz, der PPG-Chef Klaus Neunhoeffer ganz aus dem Herzen spricht. Während eine Auseinadersetzung mit dem Dritten Reich mit erhobenem Zeigefinger zu Distanz führen könne, würde diese Art des Umgangs mit der Vergangenheit viel mehr Prozesse beim Betrachter anstoßen und zu Gedanken und Diskussionen anregen.

Auch Landrat Armin Kroder freute sich über diesen „offenen und professionellen Umgang mit der Geschichte“. Für den Doku-Verein hatte er eine Spende im Gepäck, die Wrensch dankend annahm. Schließlich habe der Verein mit dem Erwerb der Skulptur seine Kasse doch ziemlich belastet. Spenden seien daher sehr willkommen, so der Vorsitzende.

Seit 2015 befindet sich übrigens auch in der Johannes-Scharrer-Realschule in Hersbruck ein Werk Bocchettas: ein Bild mit dem Titel „Consumati“. Und so waren gestern auch Vertreter der SMV der Realschule bei der feierlichen Enthüllung der Skulptur von Vittore Bocchetta im PPG dabei. „Vittore“, der Name erinnere ihn an Viktor (Sieger), so Thomas Wrensch bei seiner Ansprache. Doch Bocchetta sei eigentlich „kein Sieger geworden“, so der Vorsitzende des Doku-Vereins nachdenklich, „und dann wieder doch“..

Text: Katja Bub von der Zeitung "Das Nürnberger Land"

Seitenanfang

Unser Projekt - (28.01.2017)

Sichern und Bereithalten von Gegenständen aus dem KZ

Aus Privatbesitz haben wir Gegenstände angeboten bekommen, die die Zeit aus dem KZ bis heute meist zweckentfremdet überdauert haben.

Es handelt sich um zwei Betontröge, die einmal als Waschtröge im KZ gedient haben, mehrere Zaunmasten aus Beton in der markanten Form aus dem ehemaligen Lagerzaun. Dazu kommen einige eiserne Bohrspitzen und evtl. auch Schienenteile.

Da zur Zeit (2016/17) von keiner Seite Bereitschaft besteht, diese Gegenstände den bestehenden Ausstellungs- und Dokumentationselementen anzugliedern und damit der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, werden wir diese Gegenstände sicherstellen und dokumentieren, und in Zusammenarbeit mit der Stadt Hersbruck vorerst trocken aufbewahren.

Gleichzeitig entwickeln wir ein Konzept, wie wir diese Gegenstände zusammen mit den Gedenktafeln, die sich im Vereinsbesitz befinden, an geeigneter Stelle doch präsentieren können. Bei Fortschritten werden wir unsere Mitglieder informieren.

Betontrog von oben

Betontrog von der Seite

Seitenanfang

Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus - (15.01.2017)

Skulptur im Rosengarten Hersbruck, 'Ohne Namen' von Vittore Bocchetta

Gedenkfeier am Freitag, 27. Januar 2017

Ökumenischer Gottesdienst in der Spitalkirche Hersbruck

Der Verein Dokumentationsstätte KZ Hersbruck, die Hersbrucker Kirchen und die Stadt Hersbruck laden Bürgerinnen und Bürger aus Hersbruck und Umgebung herzlich ein.

Ökumenischer Gottesdienst
zum
Schicksal der Hersbrucker Sintifamilien
in der Spitalkirche Hersbruck
Beginn 18:30 Uhr

Anschließend Schweigeweg und Lichterkette mit Schülern.
Abschluss an der Bocchetta-Skulptur im Rosengarten.

Seitenanfang

Dass nicht wieder geschieht, was geschah. Das Recht und die Würde der Menschen bewahren. - (29.11.2016)

Am 12.November 2016 fand zum 22. Mal die landkreisweite Gedenkfeier an der ehemaligen Verbrennungsstätte in Schupf statt

Denkmal an der ehemaligen Verbrennungsstätte in Schupf mit Kranz

Denkmal an der ehemaligen Verbrennungsstätte in Schupf mit Kranz

Die Einladung geht von einer großen Anzahl von Verbänden, Initiativen und Parteien im Landkreis, auch des Vereins Dokumentationsstätte KZ Hersbruck e.V.aus. Sie wird von Dr. Helmut Ritzer, dem ehemaligen stellvertretenden bayerischen Landtagspräsidenten koordiniert.In seiner Begrüßung erinnerte Dr. Ritzer daran, wie menschenverachtend und tödlich das Außenlager für die Inhaftierten war. Es gebe guten Grund für den Fortbestand dieser Gedenkveranstaltung für die Toten des KZ. Aktuell drückte er sein tiefes Unverständnis darüber aus, dass am 8.11. in München PEGIDA vor der Feldherrnhalle mit richterlicher Zustimmung demonstriert hatte bzw. in Berlin eine Landkarte mit allen jüdischen Geschäften veröffentlicht wurde, mit der scheinheiligen Begründung Kunden auf diese Geschäfte aufmerksam zu machen. Die Staatsanwaltschaft sei dieser gefolgt und habe darin keine juristisch zu belangende Aktion gesehen.

Als Hauptredner war Markus Rinderspacher, Fraktionsvorsitzender der SPD im bayerischen Landtag eingeladen. Er zitierte den Zeitzeugen Max Mannheimer, gestorben am 23. September dieses Jahres:

"Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon."

Er forderte auf, die Untaten des Holocaust niemals zu vergessen. Dazu sei die Gedenkfeier in Schupf wichtig. Er wies auf die konkrete Situation in Hersbruck nach dem Krieg hin und dass es "lange . gedauert (hat), bis die Verbrechen, die hier verübt wurden, in das öffentliche Bewusstsein gelangten." Es seien viele Hindernisse zu überwinden gewesen, um jetzt den Gedenkorten die gebührende Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Er hob die Aktivitäten der Gewerkschaftsjugend, der örtlichen Politik sowie engagierter Menschen aus Hersbruck und Umgebung hervor.

"Verallgemeinerungen und Entindividualisierung wegen einer Gruppenzugehörigkeit sind erste Schritte zu tatsächlicher Ausgrenzung und Benachteiligung" warnte er mit Bezug auf aktuelle Entwicklungen. Er zitierte eine Studie, wonach 56 Prozent der Menschen in Bayern (incl. Franken) Muslimen gegenüber negativ eingestellt sind. Dies sei besorgniserregend. So forderte er mehr zivilgesellschaftliches Engagement in allen Teilen der Bevölkerung unter aktiver Unterstützung durch Parteien und die bayerische Regierung. Zum Schluss mahnte er unter Bezug auf Mannheimer:" Seht nicht weg, wenn andere wegsehen, zeigt Zivilcourage, wenn es darum geht, das Recht des Menschen und seine Würde zu bewahren".

12.November 2016 landkreisweite Gedenkfeier am Mahnmal in Schupf - Gäste 12.November 2016 landkreisweite Gedenkfeier am Mahnmal in Schupf - Posaunenchor

12.November 2016 landkreisweite Gedenkfeier am Mahnmal in Schupf - Gäste und Posaunenchor

Seitenanfang

Angehörige der Polizeiinspektion Hersbruck informieren sich - (16.11.2016)

Führung über das Lagergelände und Doggerstollen

Am 8. November 2016 besuchten Angehörige der Polizeiinspektion Hersbruck das Außerlager Hersbruck des KZ Flossenbürg. Während der Führung wurde die räumliche Ausdehnung und Struktur, das Lagerleben, die Arbeit in den Doggerstollen und über die Polizeiarbeit im III. Reich erläutert und diskutiert.

Seitenanfang

  ältere Meldungen