Dokumentationsstätte
Konzentrationslager Hersbruck e.V.

Reden zur Ausstellungseröffnung

Auszüge der Rede von Staatssekretär Karl Freller zur Eröffnung der Ausstellung KZ-Außenlager Hersbruck und Doggerwerk Happurg

Karl Freller aus Schwabach, Staatssekretär im bayerischen Kultusministerium, eröffnete die Ausstellung über das KZ-Außenlager Hersbruck.

 

HERSBRUCK - Mit grundsätzlichen Gedanken zum Umgang mit der deutschen Geschichte eröffnete am Donnerstag Abend Kultusstaatssekretär Karl Freller die Ausstellung im Sparkassen-Foyer zum KZ-Außenlager Hersbruck. Die HZ bringt Auszüge:

Geschichte ist "in"... Gleichzeitig gilt: Wir Deutsche tun uns schwer mit unserer Geschichte. Wir pflegen keine "Normalgeschichte" wie etwa die Briten, die vielfach einen ganz unverfänglichen Blick selbst auf so genannte militärische Grosstaten richten. Die deutsche Geschichte ... trägt das große Signum der NS-Verbrechen von 1933 bis 1945... Der Eindruck trügt nicht, dass wir kaum Ereignisse vorweisen können, die charismatisch weiterwirken - den 17. Juni 1953 und das Jahr 1989 einmal ausgenommen. Es fehlt uns an Daten, die alle Demokraten einen und innerlich binden: Wir haben keinen 4. Juli, keinen D-Day, keinen 14. Juli.

 

Aber wir besitzen etwas ähnlich Bedeutsames und zugleich Unentrinnbares: Wir haben in unserer Erinnerung das Doppelgesicht des vergangenen Jahrhunderts. Es sind zwei Seiten, die unsere Identität prägen. Schuldhafte Verstrickung zum einen und lernende Veränderung zum anderen, hier die Verbrechen totalitärer Herrschaften, dort die Entwicklung einer im Bewusstsein der Menschen fest verankerten Demokratie.

 

Was in Deutschland nach 1945 gelungen ist, zunächst in der Bundesrepublik, seit gut zehn Jahren in ganz Deutschland, kann in seiner Bedeutung und Größe nur dann richtig gewürdigt werden, wenn wir nicht vergessen, dass dies die Antwort auf vorangegangenes Leid und die Menschheitsverbrechen des NS-Terrors war. Die dunkle Seite unserer Geschichte war in ihrem archaischen Grauen Inbegriff für alle "Ismen", die das 20. Jahrhundert in ihren Bann schlugen und den Menschen ein unglaubliches Maß an Schuld, Leid und Verantwortung auferlegten.

 

 

Menschlichkeit verankert

 

Wir haben darauf eine tragende Antwort gefunden: Wir haben eine sozial und wirtschaftlich verlässliche und für die Vergangenheit sensible Demokratie erbaut und am Leben erhalten. Es ist gelungen, die grundlegenden Wertorientierungen der Menschlichkeit in unserem Staat sicher zu verankern... Die Bindekraft solchen Selbstbewusstseins hat aber nur Bestand, wenn wir die dunkle Gegenseite nicht vergessen, sie nicht geistlos verdrängen, nicht abtun als längst überholtes Gestern: Deshalb ist der Blick auf Orte wie die Stollenanlage in Happurg so wichtig.

Das, was hier zwischen Mai 1944 und Mai 1945 geschehen ist, bündelt auf eindrückliche Weise die Aspekte der Terrorherrschaft: Selbst in Agonie begriffen, kam das Regime auf absurde Pläne einer Kriegswirtschaft unter Tage. Groteske Stollenbauten mit aberwitzigen Dimensionen wurden vorangetrieben. Die Sklavenarbeit, das Programm "Vernichtung durch Arbeit", kostete Tausenden von Häftlingen das Leben...

An dies alles zu erinnern, es zu sehen und daraus zu lernen, ist heute für uns von unschätzbarer Bedeutung. Der Umgang mit Orten wie diesem ist sicherlich schwierig: Der historische Zugang muss gepaart sein mit einem Gespür für die Würde der Menschen, die hier gelitten haben. Gleichzeitig dürfen wir die Anforderungen der Pädagogik nicht aus den Augen verlieren: Wir müssen uns überlegen, wie wir an diesem historischen Ort lehren und lernen. Damit ist die Dreiheit umschrieben, die heute eine Verpflichtung für jede verantwortungsvolle Gedenkstättenarbeit darstellt: Die historischen Orte des NS-Terrors sind Orte des Forschens, des Lernens und des Gedenkens.

 

Orte nicht verstecken

 

Das setzt natürlich voraus, dass wir solche Orte nicht verstecken. Wir müssen diese Wunden zeigen - mit aller gebotenen Umsicht und Einfühlung. Dabei dürfen wir auf das geschehene Leid nicht nur mit starrem Entsetzen reagieren. Solches Gedenken alleine greift zu kurz: Gedenkstätten sind auch dazu da, dass junge Menschen erkennen, was in unserer Demokratie wichtig ist. Hier können sie begreifen, von welchen Tugenden ein Gemeinwesen lebt und gegen welche Tendenzen wir uns von Anfang an wehren müssen. Hier können sie einsehen, wie sehr wir das Erreichte achten und schützen müssen.

Wenn man in Happurg den Berg hinaufsteigt und dann vor den im Wald etwas verborgenen, vermauerten und verriegelten Stolleneingängen steht, trifft man auf eine überwundene, aber nicht zu vergessende Gefahr. Wenn wir uns das Grauen des NS-Terrors vor Augen führen, so bewahren und erhalten wir das Erreichte. Das muss und kann uns gelingen an Orten wie diesem.

Ich bin den Bürgerinnen und Bürgern, die sich in Hersbruck und Happurg um diesen Ort gesorgt haben, sehr dankbar: Hier wurde eine Chance bewahrt für eine nachhaltige politisch-historische Bildung. In Zusammenarbeit vor allem mit dem jetzt völlig neu konzipierten Gedenkort Flossenbürg und dem in Nürnberg entstehenden Dokumentationszentrum auf dem Reichsparteitagsgelände entwickelt sich hier in Nordbayern, in Franken und der Oberpfalz, eine historisch verankerte politische Bildungsarbeit, die in die Zukunft weist... Das Kultusministerium und die Landeszentrale für politische Bildungsarbeit werden das, was wir hier vor vier, fünf Jahren begonnen haben, konsequent und in enger Kooperation mit den Verantwortlichen vor Ort fortführen.

Die Rede des Vereins-Vorsitzenden Konrad Tzschentke

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich werde versuchen, mich kurz zu fassen, da Sie zum großen Teil stehen müssen und da die Liste nach mir noch mehrere Redner umfasst.

Meine Ansprache wird 4 Punkte enthalten:

Begrüßung,

Dank,

Begründung für die Ausstellung

und einen Ausblick.

Zum Inhalt möchte ich nichts sagen. Ich denke, die Ausstellung spricht für sich selbst.

Als Vorsitzender des Vereins Dokumentationsstätte KZ Hersbruck begrüße ich Sie alle ganz herzlich. Ich freue mich, dass so viele sich Zeit genommen haben, für die Eröffnung unserer Ausstellung "Das KZ Außenlager Hersbruck und das Doggerwerk".

Sie wurde erarbeitet in Kooperation mit der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. Bei einigen möchte ich mich namentlich für ihr Kommen bedanken. Das ist zunächst der Gastgeber in diesem Hause Herr Dumberger vom Vorstand der Sparkasse Nürnberg dann der stellvertretende Präsident des Bayerischen Landtags, Herr Dr. Ritzer der Staatsekretär im Kultusministerium, Herr Freller der Landrat unseres Kreises, Herr Reich und der Bürgermeister von Hersbruck, Herr Plattmeier.

Ich rechne mit Ihrem Verständnis, wenn ich meine Aufzählung hier abbreche.

Einen möchte ich jedoch noch ausdrücklich begrüßen, einen ehemaligen Häftling des KZ-Außenlagers Hersbruck. Es ist unser Ehrenmitglied, Herr Alfred Nerlich, der in Hersbruck lebt. Trotz seines hohen Alters - er wird im Dezember 90 Jahre - leistet er immer wieder wertvolle Beiträge für die Vereinsarbeit.

Das Kreuz mit den Nationalfahnen ist sein Werk.

Damit bin ich beim zweiten Punkt meiner Ausführungen:

Ich danke allen, die zum Zustandekommen dieser Ausstellung beigetragen haben. Allen voran ist da Frau Doris Strahler zu nennen, die als unsere wissenschaftliche ABM Kraft in den letzten 10 Monaten die Hauptarbeit geleistet hat. Von der Qualität ihrer Arbeit können Sie sich beim Gang durch die Ausstellung überzeugen. Ich danke auch allen Vereinsmitgliedern und Freunden, die auf mannigfache Weise mitgearbeitet haben. Ganz wesentliche Beiträge, vor allem zur wissenschaftlichen Zuverlässigkeit und zur Museumspädagogik kamen von Herrn Dr. Eckart Dietzfelbinger vom Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, von Herrn Jörg Skriebeleit, dem Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg und von Herrn Alexander Schmidt vom Verein Geschichte für Alle.

Dass die Erarbeitung, Herstellung und Betreuung einer solchen Ausstellung nicht aus den Mitgliedsbeiträgen eines kleinen Vereins finanziert werden kann, ist wohl leicht einzusehen. Wir waren und sind deshalb auf die Unterstützung von vielen Seiten angewiesen. Ich danke im Namen des Vereins ganz herzlich für die großzügige Förderung durch Privatpersonen, Firmen und öffentliche Einrichtungen. Ich möchte Ihnen und mir nicht zumuten, dass ich jetzt die lange Liste unserer Förderer vortrage. Sie finden sie auf der letzten Ausstellungstafel verzeichnet. Nicht versäumen möchte ich aber, mich für die gute Zusammenarbeit zu bedanken bei Herrn Gerhard Stötzner, der hier am Ort unser Kontaktmann zur Sparkasse Nürnberg ist. Großes Lob verdient hat sich auch die Grafik Design Firma Amos, die trotz hohem Zeitdruck zuverlässig die Tafeln erstellt hat.

Wenn ich zurückdenke an die unschönen Diskussionen um die Errichtung des Gedenksteins der Gewerkschaftsjugend 1983 in der Amberger Straße und einen Vergleich ziehe mit heute, dann kann ich mit Erleichterung feststellen, dass sich das "Klima" wesentlich verändert hat. Ich denke, nicht allein deshalb, weil die Generation, die die NS Zeit aktiv miterlebt hat, zum großen Teil nicht mehr am Leben ist, sondern vor allem dadurch, dass sich in den Köpfen und Herzen etwas geändert hat. Eine neue Offenheit für das Thema ist in der großen Politikaber auch hier in der Region seit einigen Jahren zu spüren.

Leider trifft das aber bei weitem noch nicht auf alle zu. Das zeigte z.B. das ARD Magazin Panorama vom 10. Mai mit Befragung von Hersbruckern zum Thema KZ: Die Sendung brachte zwar eine sehr einseitige Auswahl der Stimmen und erzeugte damit ein verzerrtes Bild aber bei allen Mängeln der Sendung zeigte sie doch Wissenslücken und Verdrängungen auf. Es gibt heute tatsächlich noch Menschen, die von den Verbrechen der NS Zeit nichts gehört haben wollen oder die sie einfach leugnen.

Deshalb und weil uns die Zeitzeugen wegsterben, ist diese Ausstellung notwendig.

Das jüngste Beispiel: Herr Bernhard Teitelbaum, den einige von Ihnen kennen durch sein Buch "... ob ich schon wanderte im finstern Tal" ist am 9. Juni in Nahariya in Israel gestorben.

Unsere Ausstellung wird vor allem an Schulen zu sehen sein. Deshalb war es nötig, den Text knapp zu halten, um die Aufnahmefähigkeit der Schüler nicht zu überfordern. Wir mussten gegenüber der ersten Fassung die Texte nahezu auf ein Drittel zusammenstreichen. Das war für die Beteiligten ein schmerzlicher Vorgang. Es jammerte uns um die Informationen, die dadurch für die Öffentlichkeit verloren gingen.

Das gibt mir die Anknüpfung zum letzten Punkt - Ausblick.

Der Verein Dokumentationsstätte KZ Hersbruck hat sich in seiner Satzung Ziele gesetzt. Das umfassendste davon ist die Information der Öffentlichkeit. Nach der Einrichtung der Geschäftsstelle und dem Beginn der Forschungsarbeit durch Frau Strahler ist die Eröffnung dieser Ausstellung nun der zweite Schritt zur Erreichung unserer Ziele. Die Ausstellung wird ein Jahr lang durch Nordbayern wandern. Wie soll es dann weiter gehen? Sollen die Tafeln in einer Abstellkammer verschwinden? Nein!! Der Name des Vereins bezeichnet eines seiner Ziele: Die jetzige Wanderausstellung muss die Grundlage sein für eine Dauerausstellung in einer Dokumentationsstätte KZ Hersbruck. Wir hoffen, dass sich bis zum Ende des "Wanderjahres" ein geeigneter Raum dafür in Hersbruck oder Happurg findet.

Als eine weitere Möglichkeit zur Information der Öffentlichkeit planen wir die Herausgabe eines Buches. Darin soll ein größerer Teil der vielen gewonnenen Informationen veröffentlicht werden.

Ein Herzensanliegen wohl der meisten Vereinsmitglieder ist die Öffnung eines Teils der Doggerstollen in Happurg für Führungen. Diese Stollen sind das letzte wirkliche historische Denk-Mal, das zumindest einen annähernden Eindruck von den Lebens- und Arbeitsbedingungen der Häftlinge des KZ Außenlagers Hersbruck vermitteln kann.

Für den technischen Aufwand zur Öffnung der Stollen werden nicht unerhebliche Finanzmittel nötig sein. Hier sehen wir im wesentlichen den Freistaat Bayern in der Pflicht. Aber nach Abschluss der großen Maßnahmen an der KZ Gedenkstätte Flossenbürg und am Reichsparteitagsgelände in Nürnberg sollten wohl wieder Gelder für die Gedenkstättenarbeit frei sein.

Ich wünsche mir, dass diese Ausstellung einen Beitrag leisten wird zu einem weiteren Ziel unseres Vereines, der Vorbeugung gegen Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit bei unserer Jugend.

Ich danke Ihnen.