Dokumentationsstätte
Konzentrationslager Hersbruck e.V.

Ansprache von Janusz Krasinksi am 12. Juli 2001 im Sparkassensaal Hersbruck

Vorbemerkung:

Diese Ansprache von Janusz Krasinski hat Frau Glabian, die als Übersetzerin für Herrn Krasinski und Herrn Fraszak tätig war, während der Veranstaltung für den Verein Dokumentationsstätte KZ Herbruck e.V. aufgeschrieben. Wir haben diese Rede, die Janusz Krasinski in deutscher Sprache vorgetragen hat, unverändert übernommen. Eine "Korrektur" hätte unserer Meinung der Eindringlichkeit und Ausdrucksstärke seiner Worte geschadet.

 

Ich bin froh, dass ich zu diesem Platz, wo ich nur wie durch ein Wunder dem Tod entronnen bin, wo die Verachtung des menschlichen Lebens keine Grenzen kannte, nach so vielen Jahren in einem ganz anderen Charakter zurückkehre.

Aber ich freue mich ebenfalls deswegen, weil ich von guten Menschen eingeladen worden bin.

Ich habe schon immer versucht, dort zu sein, wo die Leute mit guten Absichten zusammenkommen.

Deswegen bedanke ich mich für dieses Treffen bei den Vertretern der Dokumentationsstätte KZ Hersbruck, Herrn Tzschentke, Frau Strahler, der Gemeinde Förrenbach, Herrn Fritsch, dem Museum Flossenbürg-Lager, wo ich die Nummer getragen habe, Vertretern des Landes und der Stadt Hersbruck und allen, die dieses Treffen gewollt haben.

Ich fühle mich sehr glücklich, auch wenn erst sehr spät, dass ich die Zeiten jedoch endlich erlebe, wo 'das Gute' aus den Katakomben herauskommt.

Fast durch das ganze 20. Jahrhundert musste sich es verstecken tief im Untergrund. Die Wahrheit, Mitleid zu den Nächsten, Barmherzigkeit, wurden mit Verurteilungen, mit Gefängnis, vor allem mit dem Tod bestraft. Hier - auch dort - im Westen und Osten Europas, besonders jedoch zu dem höchsten moralischen Wert wurde der Mord, der Mord und die Verachtung für das Opfer. Es ist vergangen !

Als Zeuge zweier unmenschlicher Systeme habe ich mir oft eine Frage gestellt: ist das Gute nur ein Produkt des menschlichen Verstandes? Aber wenn es so wäre, dann wäre das Gute, genauso wie die menschlichen Zivilisationen , was vorläufiges, was nur zeitmäßiges, brauchbar in einer bestimmten historischen Phase.

Aber das Gute dauerte im Untergrund, in den Katakomben, zu Grunde gehend, verfolgt, aber doch unvergänglich, immerwährend. Also ist es nicht von dieser Welt, transzendental, deswegen dauert es und deswegen kann man es nicht zerstören.

Die Unermesslichkeit des erfahrenen Unrechts verpflichtet uns zu den Glauben an das Gute zu bewahren.

Bewusst dessen, dass das Böse eine Rache für die erlittene Niederlage fordert, machen wir diesen Ort zum Ort der schmerzhaften Erinnerung und beginnen das 21. Jahrhundert hier mit der Wiederherstellung des zustehenden Ranges für die höchsten humanistischen Werte. Möge das ungeteilte Gute in die Welt eintreten !

Janusz Krasinski